Rund 250 Nazis haben heute in der Schweriner Weststadt demonstriert. Und Wo warst Du?
Stell Dir vor dir vor, die Nazis demonstrieren und keiner geht hin
Da laufen sie wieder mit wehenden Fahnen
und im schwerem Tritt schwingt die Historie mit
Und DU – entspannt vor dem TV – lässt ewig grunzen die innere Sau
Schaust Werbung und träumst des Nachts vom Konsum
Verwundert drehst eines Tages DICH um
Warum nur hat niemand etwas getan
Das seufzt DU und passt DICH wie immer an
Also gestern, da ging ich in eine Tankstelle um Zigaretten zu kaufen. Die haben einen englischen Namen. Also sprach ich mit feinstem “Ti Aitsch” meinen Wunsch am Tresen aus. Darauf die Verkäuferin: “Ham wer nich.” “Klar!”, erwidere ich, “Da, hinter ihnen!”. Die Verkäuferin: “Ach die. Na, weil sie die so komisch ausgesprochen haben. Woher soll ich das denn wissen.” Ich: “Na, auf englisch halt. Ist ja auch ne englische Marke.” Verkäuferin: “Wir sind hier aber in Deutschland und hier wird Deutsch gesprochen!” Ich: “Ne, is klar, und Sie haben Udo Pastörs gewählt.” Abgang.
Heute weiß ich, die Frau hat nicht Udo, sondern Guido gewählt:
Der arme Reporter, der nur mal ‘nen kurzen englischen O-Ton für seine Zuschauer ziehen wollte.
Arbeitsplatz ist wo? Natürlich auf der Autobahn. Was haben denn Sie gedacht? Ich traf nämlich heute auf der A7 einen LKW mit der am Heck gut platzierten Aufschrift: “Dies ist NOCH ein Deutscher Arbeitsplatz” Das ließ sich leider aus Fahrersicht nicht wirklich gut fotografieren. Die Tatsache, dass in Bandenitz und Warsow auch schon die Nazis an den Laternenmasten werben, macht den Tag dann rund …
Na endlich! Das Züchten von Kindern im Sinne der arischen Rasse und deren Ausbildung als kleine, zukünftig große, Weltherrscher ist der “Heimattreuen Deutschen Jugend” nun verboten. Seit heute Morgen sechs Uhr ist das Verbot in Kraft. Es gilt auch für die Bildung von Nachfolgeorganisationen und geht mit der Beschlagnahme von Vermögen einher. Und sie bewegt sich doch! Möchte ich ausrufen – geht aber nicht, da unser Innenminister nun mal keine Frau ist. Denn deutliche Belege für den Verstoß gegen geltende Gesetze (Volksverhetzung, Nutzung verfassungsfeindlicher Symbole …) in der rechten Kaderschmiede gibt es schon lange mehr als genug. Nun gebe ich mich nicht der Illusion hin, dass wir den Nazis die Sommerfrische verhagelt haben, doch bereitet die Zerschlagung von Strukturen ja immerhin einige Unannehmlichkeiten. In der Hoffnung, dass Schäubles Ministerium hier mindestens so gründlich gearbeitet hat wie bei der Untergrabung des Datenschutzes und der Aufhebung diverser Dinge, wie des Informantenschutzes, starte ich fröhlich beschwingt in diesen Tag!
Kennen Sie das auch? Es gibt Begebenheiten, die sind so nebensächlich, dass sie einem ganz nebenbei den Tag vermiesen können. Ja so ist das. Aber: Ich muss nicht alle Menschen mögen. Weiß ich ja. Nazis finde ich immer noch doof – und, dass die SVZ nie ihre Kommentarfunktion überwacht. Bitte mal schnell ordentliche Sachen reinposten!
…so hieß eine Veranstaltung, die heute Abend in der Volkshochschule stattgefunden hat. Andrea Röpke, Journalistin mit Themenschwerpunkt Rechtsextremismus, zeigte anhand eines Filmes (“Ferien im Führerbunker”) und eines Vortrages die Strukturen rechtsextremer und national-völkischer Erziehung von Kindern und Jugendlichen in der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) auf. Außerdem sprach sie über die Rolle der Frauen innerhalb der Szene.Zeltlager im Sommer, Wehrhaftigkeit und Mutproben, Argumentation – bereits kleine Kinder werden mit den rechten Ideologien vertraut gemacht und ganz im Sinne ihrer “volkstreuen” Eltern gedrillt. Wie nennt man so etwas? Ich für meinen Teil nenne es seelische Vergewaltigung. Denn das einzelne Kind zählt nichts, die Gemeinschaft dafür alles. Das Ganze passiert nicht irgendwo, sondern direkt hier in der Nachbarschaft. Immer mehr treten auch die Frauen heraus aus dem Schatten ihrer politisch agierenden Männer und mischen selbst mit. Emanzipation – im negativsten Sinne. Vielleicht gehört die nette Mutter aus dem Hort oder der Krabbelgruppe, ja – die mit den Zöpfen, die immer Kuchen mitbringt und so gerne von unserer Heimat spricht auch dazu?
Glauben Sie, dass ein “kleiner” Tabakshop in seiner Existenz bedroht ist, wenn er keine “nationalen” Zeitungen anbietet? Ich nicht! Ich verkrafte wirklich viel: Bio-Eier, die aus den Niederlanden kommen, keine wirklich frische Milch mehr in den Regalen, merkwürdige Produktnamen… Wenn aber ein Tabakladen mit Zeitungs- und Lottoverkauf die “National Zeitung” verkauft, selbstverständlich am Außenaufsteller der Tageszeitungen platziert – dann platzt mir die Hutschnur!
Auf meine Nachfrage hin, erhalte ich die Antwort, dass mich dies gar nichts anginge. Schließlich gäbe es ja Käufer dafür. Ja, sicher gibt es die. Es gibt auch Käufer für Atombomben, Kinder und Heroin. Die hängen deswegen aber auch nicht da draußen am Ständer. Nun hat der Tabakladen im Hanse-Center am Güstrower Tor, da wo Sky, Aldi und Rossmann sowie ein Bäcker und ein Stand mit türkischen Spezialitäten sind, schon mal zwei Kunden weniger. Wahrscheinlich kauft sich der echte Nazi erst die Zeitung, um dann einen ordentlichen deutschen Döner nebenan zu verdrücken. Wie finden das eigentlich SVZ, Bild & Co. wenn sie mit denen an einem Ständer hängen?