Ach wenn so ein Blog dafür da ist, seine eigene Erlebenswelt zu beschreiben, dann bitte. Dann auch in solchen Situationen. Wer nicht will, der muss ja nicht lesen. So! Kann ja auch nicht immer hochpolitisch zugehen. Oder soll ich mich dazu äußern, dass Ossis kein eigener Volksstamm sind, eine Aschewolke den Flugverkehr lahmlegt und Guido deshalb jetzt nicht seine ganzen Kumpels mit auf Weltreise nehmen kann? Was übrigens alle anderen auch tun, machen Sie sich doch mal den Spaß und schauen sich die letzten Wirtschaftsdelegationen der Minister in M-V an! Und ich meine nicht nur diese Legislaturperiode. Das macht die Sache nicht besser, aber die Aufregung schrumpft auf ein Normalmaß zusammen. Also dann doch lieber zu den essentiellen Dingen des Lebens:
Stilldemenz. Wissen Sie, werte Leser dieses Blogs, was das für eine fantastische Einrichtung ist? Nehmen wir einmal an, Sie stillen Ihr Kind. Dann merken Sie förmlich, wie sich Ihr Gehirn eine Etage ansiedelt. Die männlichen Leser machen dieser Erfahrung ja gerne in anderen Zusammenhängen.
Als frisch stillende Mutter ist man ständig dabei in irgendeiner Form seine Brust “herauszuholen”. Das kann zu absurden Situationen führen: Sagen wir, der Postman klingelt… Der sieht Sie plötzlich mit ganz anderen Augen! Denn die Stilldemenz kann durchaus dazu führen, dass Sie zwar wissen, wann es soweit ist die Brust “herauszuholen” nicht aber, dass Sie diese bei Gelegenheit auch wieder bedecken sollten. Wenn Ihnen also einmal eine stillende Mutter begegnet… Seien Sie gnädig! Und nein, sie hat’s nicht nötig – nur vergessen.
Warum ist dann aber Stilldemenz fantastisch? Nun, im besten Falle ist ihr dieses peinliche Ereignis aufgrund selbiger schon am nächsten Tag entfallen. Also unbedingt nicht mehr drauf ansprechen und auf die gnädige Wirkung der körpereigenen Hormone setzen. Und an meine Leidensgenossinnen: Was wollte ich gleich noch sagen ….
Jüngst erregte das neue SAT-1-Event-Movie in zwei Teilen die Gemüter. Nachzulesen unter anderem hier in der SVZ. “Die Grenze” ist ein echt abstruser Film über das Aufeinandertreffen radikaler Kräfte und hilfloser Politik, die für den eigenen Machterhalt bereit ist alles zu tun… könnte man schreiben. Man könnte aber auch schreiben, dass es sich um billige Unterhaltung für das Volk handelt. Einfach gestrickt. Sinnfrei. Ohne Bedeutung. Na gut, billig, das wäre die Frage. Schließlich wurden hier 160.000 Euro aus Landesmitteln an Förderung eingesetzt. Aber ist es wirklich so einfach? Konstatieren wir zunächst: Dank der Aufregung um den Film haben sehr wahrscheinlich sehr viel mehr den Film gesehen, als sonst. SAT 1 dankt. Die Aufregung seitens der SPD und der Linken ist nur schwer nachvollziehbar. Darf man einen solchen Film fördern? Ja, denn würde die Förderung nicht den Richtlinien entsprechen wäre sie nicht ausgereicht worden. In dem Vergabegremium sitzen Menschen, die sich hauptberuflich um Film kümmern, darunter zum Beispiel die Chefin des NDR-Landesfunkhauses. Die Produktionsfirma hat Geld bekommen, da sie die Kriterien erfüllt und letztlich auch eine entsprechende wirtschaftliche Gegenleistung in Höhe von 340.000 Euro erbracht hat. Darf man die Förderung für diesen Film wegen seines Inhaltes kritisieren? Darf man Angst äußern, dass ein negatives Bild von M-V vermittelt wird? Ja, darf man! Aber Gegenfrage – darf man als SPD oder LINKE quasi Zensur fordern? Muss man sich an den Inhalten eines SAT-1-Event-Movies hochziehen? Glaubten die gleichen Menschen, dass Berlin wirklich von Tornados verwüstet würde, nur weil das bei RTl im fiktionalen Bereichen gezeigt wurde? Wird Köln tatsächlich von der Pest hingerafft, weil das schon mal bei SAT 1 zu sehen war? Wie heuchlerisch ist so eine Kritik? Und wie nah und durchschaubar ist diese Reaktion von zwei Parteien, die ihre mehrfach geäußerte Kritik an der Filmförderung über die Krücke eines fiktionalen Filminhaltes nochmals äußern? Arm. Wirklich arm. Weniger arm ist allerdings die Reportage im Anschluss des Filmes, die sich mit Rechtsradikalismus beschäftigt und damit ein auch in M-V vorhandenes Phämomen mitten ins Privatfernsehen zieht. Wäre es besser über solche Themen zu schweigen, weil sie hier im Land passieren? Weil sie keine so schöne Werbung sind für’s Land? Wie heuchlerisch muss man eigentlich veranlagt sein? Man könnte natürlich auch fragen, wie fiktional ist dieser Film eigentlich, wenn sich knapp ein Viertel der Deutschen (Ost wie West) zumindest zeitweise die Mauer wieder wünscht? Und was bleibt dann am Ende von der Kritik der Linken?
Wie billig Arbeit sein kann, das erfahren wir in dem Film “Schlaglichter auf die Wirklichkeit” von Wulff Beleites. Hochachtung an den Kollegen Gerd Koths, der dazu öffentlich Stellung nimmt.
Der Frühling ist ein kleiner Wicht, der macht uns auch ganz feines Licht. Schon morgens früh, da scheint es rein – so früh interessiert’s kein Schw***. Deshalb, das weiß doch jedes Kind, kommt demnächst die Uhrzeit ganz geschwind und klaut uns eine Stunde weg. Früh aufsteh’n hat wohl doch noch keinen Zweck. Schlimm wird’s wer nicht wählen kann – wer ist denn heut’ mit Wickeln dran?
Folgende Anfrage erreichte mich. Falls jemand Bedarf hat oder “einer einen kennt, der…” dann bitte melden!
“Wir sind auf der Suche nach Menschen, die einen Vollzeit-Job machen und dabei wirklich nicht mehr als ein “Tagelöhner“ verdienen, obwohl sie studiert haben, an Hochschulen, Abendschulen oder in Firmen arbeiten und voll beschäftigt sind. Wir möchten in dieser seriösen Reportage niemanden vorführen, sondern zeigen, was es heißt, wenn man arbeiten will und alles dafür tut, aber nur einen Hungerlohn bekommt. Die Reportage läuft 46 Minuten, zeigt zwei bis drei Betroffene (und ihre Familien) und geht jeweils auf ihre individuelle Situation ein.
Wir möchten die Betroffenen in Ihrem Leben begleiten, bei der Arbeit, zu Hause, privat, mit der Familie etc.
Der Dreh würde 2-3 Tage dauern.”
“Ach Gott (theatralische Geste, Hand mit Rückseite und abgespreiztem Finger an dies Stirn, tiefer Seufzer), ich fühle mich heute so betriebsratsverseucht.” Die Personalchefin lässt sich auf ihren 1.436,85 € (netto) teuren Stuhl Bürostuhl fallen. Die Glasfront hinter ihr wird von einem SklavenLeiharbeiter für die tariflichen 1,95 € pro Stunde geputzt. Schließlich ist der Ingenieur und gilt für diesen Job als ungelernte Fachkraft. Das Gespräch mit dem Betriebsrat gerade eben war wieder einmal anstrengend. “Immer diese ausufernden Forderungen nach Einhaltung der Arebitszeit, Vergütung der Überstunden, Rücknahme von Kündigungen …” Sie schlägt das vor sich liegende Managermagazin 4,80 € (netto) auf: “Betriebsratsseuche? Handeln Sie sofort – Schützen Sie Ihr Unternehmen jetzt!” Die Anzeige interessiert sie. Sie liest weiter: “Raubt auch ihnen diese schon ausgerottet geglaubte Krankheit den verdienten Schlaf? Unterschätzen sie nicht die Gefahren. Helfen sie mit, dass sich die heimtückische Betriebsratsseuche nicht als Pandemie über den gesamten Planeten ausbreitet. Nehmen sie IHRE VERANTWORTUNG war! Spenden Sie jetzt!” Ja, Verantwortung, davon verstand sie etwas. Sie setzte sich an ihren neuesten Apple für 4.321,- € (netto) und tippte die angegebene Infoadresse ein: www.fdp.de
wer auf Staatskosten lebt, der soll auch eine Gegenleistung erbringen. Meinten Sie das so? Gut dann gehen wir die Sache an: Sie sind Ministerpräsident und bekleiden diverse Ämter, für die Sie von Ihrer Partei entschädigt werden. In demokratischen Staaten, so auch unserem, werden diese Kosten durch den Steuerzahler übernommen. Sind Sie bitte so nett und fangen an zu arbeiten? Danke. Zunächst würde mir aus Steuerzahlersicht das Prinzip des “erst denken, dann handeln” bei Ihnen ausreichen. Vielleicht auch “erst denken, dann reden”. Wir wollen die sprichwörtliche Latte mal nicht so hoch hängen. Übrigens, wer nach zehn, zwanzig Jahren Berufstätigkeit Hartz IV bezieht, hat dafür in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Also, sich auch einen Anspruch erarbeitet. Das nur mal so am Rande. Dass Sie kräftig daran mitwirken, dass es solche durchgängigen Erwerbsbiografien nicht mehr gibt, weiß ich, aber das ist keine Arbeit. Nur für den Fall, dass Sie das gedacht haben. Wir könnten uns auf folgenden Deal einigen: Sie bieten auch genauso viel Arbeit an, wie es Menschen gibt, die Hartz IV beziehen. Das natürlich ohne der Wirtschaft zu schaden und wettbewerbsverzerrend zu wirken. Alternativ dürften Sie auch folgendes Zeichen setzen: Ohne eine weitere Erhöhung der Bezüge verzichten sämtliche Politiker sowie Amts- und Mandatsträger auf ihre überzogenen, erworbenen Rentenansprüche und sorgen privat für sich vor. Sollte dann der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass einer unter ihnen mal Hartz IV in Anspruch nehmen muss, dann wird das dafür angesparte Kapital samt und sonders aufgebraucht. Basta!
Er hat mich gerade an das Telefon gehen lassen und den Automatismus des Auflegens unterdrückt, als sich die Gegenseite als Marktforschungsinstitut vorstellte. Und dann fragte man mich knapp 10 Minuten über unseren lokalen Fernsehsender aveo tv aus. Am Ende sagte der Mann, ich wäre seit gestern (Beginn der Befragung) die erste, die diesen Sender überhaupt kennen würde. Warum bloß?