Seuchen und andere Pandemien

“Ach Gott (theatralische Geste, Hand mit Rückseite und abgespreiztem Finger an dies Stirn, tiefer Seufzer), ich fühle mich heute so betriebsratsverseucht.” Die Personalchefin lässt sich auf ihren 1.436,85 € (netto) teuren Stuhl Bürostuhl fallen. Die Glasfront hinter ihr wird von einem SklavenLeiharbeiter für die tariflichen 1,95 € pro Stunde geputzt. Schließlich ist der Ingenieur und gilt für diesen Job als ungelernte Fachkraft. Das Gespräch mit dem Betriebsrat gerade eben war wieder einmal anstrengend. “Immer diese ausufernden Forderungen nach Einhaltung der Arebitszeit, Vergütung der Überstunden, Rücknahme von Kündigungen …” Sie schlägt das vor sich liegende Managermagazin 4,80 € (netto) auf: “Betriebsratsseuche? Handeln Sie sofort – Schützen Sie Ihr Unternehmen jetzt!” Die Anzeige interessiert sie. Sie liest weiter: “Raubt auch ihnen diese schon ausgerottet geglaubte Krankheit den verdienten Schlaf? Unterschätzen sie nicht die Gefahren. Helfen sie mit, dass sich die heimtückische Betriebsratsseuche nicht als Pandemie über den gesamten Planeten ausbreitet. Nehmen sie IHRE VERANTWORTUNG war! Spenden Sie jetzt!” Ja, Verantwortung, davon verstand sie etwas. Sie setzte sich an ihren neuesten Apple für 4.321,- € (netto) und tippte die angegebene Infoadresse ein: www.fdp.de

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2 Antworten zu “Seuchen und andere Pandemien”

  1. Herr Carlo sagt:

    Ach, Frau emes,

    mal ehrlich, was wären wir kleinen Hasen ohne die Leistungsträger in Deutschland? Dann hätten wir nichtmal ein Feind an dem wir uns so genüsslich abarbeiten könnten. Wär doch zu schade um unsere überschüssige Energie, bliebe sie so unausgeschöpft, oder nicht? Sehen Sie’s mal so: wie gut muss es einer Gesellschaft gehen, die sich eine Leistungselite leisten kann, die auf so hohem Niveau jammert. Uns geht’s doch Gold.

    :-)

  2. emes sagt:

    Ach, Herr Carlo,

    wie schön von Ihnen zu lesen. Ja, Sie haben Recht: Uns jeht’s noch jold und der Kongress tanzt, während auf der Titanic die Kapelle noch zum letzten Lied aufspielt. Auch ich sage: “Weiter so!”
    Ach übrigens, kennen Sie den…?

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