Archiv für Dezember 2009

Gesetze für Vergessliche – Diesmal: Vorratsdatenspeicherung

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Egal, was Sie oder ich in den vergangenen sechs Monaten gemacht haben, irgendwo hat es irgendwer gespeichert. Im besten Falle nur man selbst. Doch der beste Fall hat schon lange ausgedient. Die Schwiegermutter am Telefon beleidigt? Gepseichert! Drogen beim örtlichen Dealer per Mail angefordert? Gespeichert! Das Wort Bombe, Islam oder Heiliger Krieg verwendet… Oh Mist!

Doch wer sich über diese Vorratsdatenspeicherung aufregt und womöglich dagegen klagt, der hat noch nicht die Vorteile dieser Speicherung erfasst. Fakt ist doch: Alles was irgendwo gespeichert ist, da kommt man dran, irgendwie. Die einen schneller (Hacker), die anderen langsamer (Polizei). Da müsste es doch möglich sein beim nächsten Totalcrash meines Mailprogrammes die gesammelten Mails der vergangenen sechs Monate zu bekommen. Beim örtlichen Hacker (kostet) oder per Suchanzeige bei der Polizei (dauert). Also müsste doch möglich sein. Wenn schon denn schon, sozusagen. Schöne neue Welt also. Und wieviel Frieden über das Volk käme: “Schatz, hab ich Dir doch vor drei Wochen schon am Telefon gesagt, dass wir meine Eltern zu Weihnachten besuchen!” “Ehrlich?” “Ja, und ich kann es beweisen!”. Oder auch: “Guten Tag, ich möchte Ihnen einen anonymen Hinweis geben, wo sich das Bernsteinzimmer befindet.” “Oh super, wenn Sie es mir heute sagen, reicht es wenn ich mich im April drum kümmere.”
Was ich allerdings nie so recht verstehe ist, dass ich an einer Hotline der Aufzeichnung eines Gespräches widersprechen kann und auch journalistisch etwas heimlich Aufgezeichnetes nur bedingt verwendbar ist. Aber vielleicht kann es mir ja jemand mal erklären?

Mein Bauch gehört mir!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Liebe MitbürgerInnen, als in den 60er Jahren verschiedene Frauen diese Forderung aussprachen, da ging es um das Recht auf Selbstbestimmung bei Abtreibungen. Wenn ich heute darüber schreibe, dann bitte ich diesen Ausspruch nicht weniger ernst zu nehmen. Derzeit erschreckt mich die Distanzlosigkeit, mit der mir viele MitbürgerInnen begegnen. Sie verstehen nicht, worum es geht? Nun, lassen Sie mich verraten, dass ich nicht nur kopf-, sondern auch sehr bauchlustig bin. Der kleine Untermieter scheint putzmunter zu sein und mindestens die Ausmaße eines größeren Medizinballs auf die Welt verlagern zu wollen. Soweit die gute Nachricht. Nun der Rest. Während das Gewicht eines Menschen ansonsten üblicherweise zu den Tabuthemen in unserer Gesellschaft gehört (zumindest in dessen Anwesenheit), geht man mit Schwangeren da weniger zimperlich um. Da wird (in Anwesenheit) gefachsimpelt, was das Zeug hält. Dies führt zu folgenden absurden Situationen: Auf dem Weg vom Marienplatz bis zum Markt begegnen mit fünf verschiedene Menschen mit drei verschiedenen Meinungen: “Noch ganz schön wenig zu sehen.”, “Du bist aber schon rund.”, “Das ist doch normal.” Entschuldigung, vier, einer hat es nämlich tatsächlich gar nicht bemerkt oder besser, andere Themen für wichtiger befunden. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Tuscheln Sie doch einfach, wie vorher auch, hinter meinem Rücken weiter! Danke. Ich sehe mich nämlich nach wie vor nicht verpflichtet jedem den derzeitigen Stand der Gewichtszunahme mitzuteilen, bloß weil er fragt.
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Heureka! Recht haben sie …

Freitag, 04. Dezember 2009

… und nun bekommen Sie es auch! Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat geurteilt, dass die Sorgerechtsregelung für ledige Väter diese diskriminiert. Bisher erhalten diese das gemeinsame Sorgerecht nämlich nur dann, wenn die dem Mutter auch zustimmt. Nun mag es einigen ja als unpraktisch erscheinen, dass beide, Mutter UND Vater, bspw. immer gemeinsam ein Konto eröffnen oder über die richtige Schule entscheiden müssen, und das womöglich auch dann, wenn man eben nicht mehr zusammen und alles eitel Sonnenschein ist. Doch um wen geht es hier bitte eigentlich? Um die Eitelkeiten der Erwachsenen (wobei man diesen Status beim Verhalten einiger Exemplare in dieser Sache durchaus in Frage stellen darf)? Nein, es geht um die Kinder! Und die sollen doch von beiden Elternteilen auf einen guten Weg in die Zukunft gebracht werden. Interessant wird es gar nicht bei den genannten Entscheidungen, da mag man sich vielleicht ja noch einigen. Wichtiger ist schon, wenn es um die Frage geht: Zieht die Mutter mit dem Kind mal eben ungefragt nach München, während der Vater mit Unterhaltspflicht und Umgangsrecht ausgestattet, weiterhin in Pasewalk wohnt? Dann wäre er nicht nur gezwungen den Unterhalt zu leisten, sondern auch noch die teuren Zug- oder Autofahrten, wenn er denn sein Umgangsrecht überhaupt wahrnehmen darf. Das deutsche Recht benachteiligt in nicht zu vertretender Weise die Väter. Es wurde Zeit, dass endlich mal ein Gericht der Bundesregierung auf die Finger klopft. Die hatte übrigens versucht herauszufinden, wie viele Väter das denn wollen – ha! Es ist doch einfach das Recht des Kindes. Und auch in diesem Fall sollte endlich einmal Recht haben und Recht bekommen ein gleiches Paar Schuhe sein.