Punker geh’n jetzt auswärts trinken …

Am vergangenen Montag habe ich in der Stadtvertretung der Entscheidung zu einem Prüfauftrag für die Verwaltung über ein Alkoholverbot in der Innenstadt und an anderen öffentlich wirksamen Plätzen sowie sozialen Brennpunkten beigewohnt. Mit sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde diesem Antrag verschiedener Fraktionen und Ortsbeiräte durch die Stadtvertreter entsprochen. Geprüft wird nun die rechtliche Umsetzbarkeit eines solchen Verbotes. Der Marienplatz wird dabei als Modellprojekt genutzt.
Kein Alkohol mehr in der Öffentlichkeit, so sind sich offenbar einige sicher, das bedeutet auch, dass die sich am Marienplatz versammelnden Punker damit aus dem Stadtbild (zumindest dem dortigen) verschwinden. Einige, auch der zustimmenden Stadtvertreter, sind sich da zwar weniger sicher, stimmten aber dennoch dafür. In einer von Herzen kommenden Rede bezweifelte die Stadtvertreterin Renate Voss (B.90/Die Grünen) den Sinn einer solchen Maßnahme und stellte die Frage, ob hier nicht Jugendliche, die sich selbst von der Gesellschaft häufig unverstanden fühlen, nicht wiederum vor den Kopf gestoßen würden. Sie fordert den verstärkten Einsatz von Streetworkern und ein wenig mehr Verständnis für andere Lebensentwürfe.
Auch ich stelle mir die Frage: Was soll das?

Eine Regelung, die offensichtlich pünktlich zur BUGA mehr Schein als Sein herstellen will? Eine Regelung, die sich ganz offensichtlich gegen eine bestimmte Gruppe – nämlich die Punker – richtet? Eine Regelung, die (mal wieder) nicht nach den Ursachen fragt? Machen es sich die Verantwortlichen da nicht die Dinge etwas zu einfach? Und wen stören die Punker eigentlich? Und warum? Wer Graffitis an Wände schmiert und dabei erwischt wird, kann auch heute schon belangt werden. Wer Alkohol über die Maßen trinkt, ob öffentlich oder nicht, ist krank und braucht Hilfe (vielleicht aber auch nicht). Wer es wagt wildfremde Menschen auf der Straße anzusprechen, vielleicht gar um Geld zu bitten, begeht eine Straftat? Wer anders lebt, als andere gehört also weggesperrt? Vertrieben?
Was passiert eigentlich mit jenen, die das Jugendschutzgesetz missachten und hochprozentigen Alkohol schon an Kinder verkaufen, die Flatrate-Parties in Diskotheken dulden, die vor ihren Kindern Alkohol über die Maßen “genießen”? Was ist eigentlich los mit uns? Und vor allem: Was kommt als Nächstes? Verbot des öffentlichen Küssens? Verbot des Andersdenkens? Ach – und hatten wir das nicht alles schon einmal?

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5 Antworten zu “Punker geh’n jetzt auswärts trinken …”

  1. pediko sagt:

    unmöglich, ich weiß es ändert überhaupt nichts wenn ich mein empören hier zum Ausdruck bringe. Das kann man wohl offene Diskriminierung nennen… Protest-Sekt-Trinken-und-an-den-Fahrscheinautomaten-ketten? Nein mal ernsthaft… das können die doch nicht machen?!

  2. emes sagt:

    Ich habe schon ähnlich darüber nachgedacht: Sind wir nicht alle ein wenig PUNK?

  3. Martin sagt:

    Ich bin für ein Verbot von Abstimmungen der Stadtvertreter von Verbotsanträgen.

    Es wird doch genauso viel kosten, Streetworker einzusetzen, die sich die Probleme der Punks anhören, als Ordnungspolizisten, die das Verbot umzusetzen versuchen.

    Was für eine Auflage bekommen eigentlich die Kiosk-Besitzer in der Werderstraße, wo sich auch viele Leute mit Bierflaschen vor den Türen versammeln?

  4. FH sagt:

    Die ganze Diskussion über den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ist nichts anderes als ein durchkalkulierter weiterer (langsamer!) Schritt, die so genannten “Bürgerrechte” Stück für Stück zu beschneiden. Um NICHTS anderes geht es!

    “Wer denkt angesichts von AIDS noch an Schnupfen…!”

    FH

  5. Klaus Troffobisch sagt:

    Ich finde das gut! Die Punka können schließlich dann im Schlosspark Erholung suchen.

    Die Grünen solln sich nicht so haben. Die sollen mal lieber was gegen die herumstreuenden Katzen unternehmen bevor sich sich mit solchen Sachen befassen.

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