Mein erster Artikel oder warum ich grüne Teller blöd finde.

Ich hab ordentlich ein paar Macken. Ordentlich was beiseite gemöhlt sozusagen. Doch ein tief, bisher sehr tiefes Geheimnis werd ich hier jetzt lüften. Darf man damit einen Blog eröffnen?

Es war im Dezember des Jahres 1995. Es sollte im Übrigen einer der kältesten Winter für lange Zeit werden (Silvester durfte ich bei -22 Grad in Hildesheim auf dem Markt verbringen). Wegen plötzlich veränderter persönlicher Umstände, hatte ich noch so ziemlich genau eine Couch, einen Schrank und einen Kühlschrank und ein paar Klamotten. Ich zog in meine erste eigene Wohnung. Ruinierte den Wasserkocher als ich mir am Silverstermorgen darin Milch heiß machte – mir fehlten noch die Kochplatten auf dem Herd. Meine Verwandschaft mütterlicherseits entdeckte plötzlich ihre freigiebige Seite. Sogar meine Mutter hatte eine (das glaubt sie wahrscheinlich immer noch) und schenkte mir mein erstes eigenes Service. Es hatte – genau richtig – einen fetten grünen Rand mit irgendeinem merkwürdig undefinierbaren Muster und es war billig! Ich mag billige Sachen, billige T-Shirts, Taschen und Schuhe, billige Reisen, billige Karten für Events sogar umsonst – kostenlos wie wir heute sagen – find’ ich toll. Aber nicht wenn ich an meine Mutter und an ihre denke.

Billiger Sekt, billiges Besteck von der Kaffeefahrt und 15 Mark Taschengeld die Woche, während die Gute Unterhalt und Kindergeld eingestrichen hat. Ein vernünftiges Geschirr wäre doch das Mindeste gewesen. Aber nein. Über die Jahre verloren die Tassen ihre Henkel, die ein oder andere fiel runter (ohh!). Übrig sind lediglich noch ein paar Teller von denen jetzt die Katzen fressen. Manchmal stehen sie noch im Weg wenn ich an die anderen Teller ran muss. Und wer mich lieb hat, der zwingt mich nicht von grünen Tellern zu essen, zumindest nicht von solchen mit grünem Rand. Ist doch logisch, oder?

das Corpus Delicti
Hat diesen Winter sein 10jähriges Jubiläum. Einer der wenigen Überlebenden.

emes

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